Der Maimann (1951)

Am 13.Mai, dem Pfingst-Sonntag 1951, zog der Maimann wieder durchs Dorf. An dieser uralten Sitte hält die Schuljugend fest, Sogar die ältesten Einwohner können sich noch gut erinnern, wie sie mit dem Maimann durch die Straßen zogen. Sobald nämlich die ersten Frühlingsboten im Tal erscheinen, ziehen die Buben hinaus in den Wald und suchen nach dem ersten Maiengrün.

Vor dem eigentlichen Maimann-Zug durch das Dorf müssen die Jugendlichen zunächst einige Vorbereitungen treffen: Am Vortag wird Buchenlaub aus den Wäldern geholt, mit dem dann der Maimann eingekleidet wird. In einer anstrengenden Prozedur wird der Maimann, von den Füßen beginnend, in das Laub eingewickelt. Niemand im durfte wissen, wer sich im Laubkleid befand, so dass sich dieser früh morgens heimlich zu einer Scheune begab. Um den Träger nicht zu erkennen, wird das Laub sehr dicht und fest gebunden. Für den Zug erhält der Maimann einen tüchtigen Knüppel als Wanderstab und wird zusätzlich von zwei Buben an der linken und rechten Seite geleitet. Nach dem Einkleiden marschiert der Maimann unter Begleitung aller Jugendlichen durchs Dorf und sammelt von den Dorfbewohnern seinen Tribut, der meist aus Wurst, Eier und Speck besteht und von den Jungen in Körben eingesammelt wird. Zum Abschluss entkleidet sich der Maimann wieder in der Scheune und muss dann heimlich verschwinden, um unerkannt zu bleiben. Schimpf und Schande bedeutete es für den Jahrgang, wenn die Dorfbewohner den Maimann erkannten. Im Anschluss des Zuges wird aus den gesammelten Zutaten ein Eierkuchen gebacken, den alle Beteiligten verspeisen. Früher wurde von den beteiligten Jungen einer ausgesucht, in dessen Elternhaus der Eierkuchen gebacken wurde.

Durch diesen Brauch soll die Vertreibung des Winters aus den Dörfern und der Sieg des Sommers gefeiert werden. Dabei kam es in der Tradition zu einigen Änderungen. In der dämonenhaften Gestalt des Maimannes wird wohl der Winter dargestellt

Links neben dem Maimann Oswald Wagner (Bliewe), zwischen Maimann und Oswald Wagner Kurt Becker (Baeckersch), rechts vom Maimann sein Bruder Heinz Becker (Baeckersch), Horst Dietrich (Karles)

 

Links neben dem Maimann Oswald Wagner (Bliewe), zwischen Maimann und Oswald Wagner Kurt Becker (Baeckersch), rechts vom Maimann sein Bruder Heinz Becker (Baeckersch), Horst Dietrich (Karles)
Der Maimann kommt vom Dreieck und geht in Richtung Post, das Haus links ist die Gastwirtschaft Heinzel , dahinter Annsches, auf der rechten Seite Zorems-Haus

 

Quellen: Tageszeitungen aus dem Jahre 1951 (Privatarchiv des Lehrers Kurt Unzner)

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