Aufmärche im Dritten Reich (1933-1945)

Aufmärche im Dritten Reich (1933-1945)

Als Adolf Hitler am 30.01.1933 Reichskanzler wurde und somit die NSDAP die Macht in Deutschland übernahm, brach das düsterste Kapitel der langen deutschen Geschichte an. Das 1000jährige Reich“, das es immerhin auf 12 Jahre brachte, war eine totale Zäsur. Es war danach so, als hätte es die Jahre vor 1933 nie gegeben. Das Regime versuchte nun die deutsche Gesellschaft in allen Bereichen zu durchdringen. Das erreichte man unter anderem mit „sinnstiftenden“ Veranstaltungen und Aufmärschen. Und dann war da noch die Jugend. Die Nazis begriffen schnell, dass derjenige, der die Jugend eines Volkes kontrolliert, die Zukunft in der Hand hat. Dazu später mehr.

Aufstellung an der Hauptstraße (Schossee) vor der alten Schule.So wurde beispielsweise am 25.06. die Sommersonnenwende gefeiert.
Die Leitung dieser Veranstaltung wurde von SA (Sturmabteilung) und HJ (Hitlerjugend), zu der auch die Jugend Simmersbachs und Roths gehörte, übernommen. In Simmersbach fand um 8 Uhr in der Kirche anlässlich dieses „Festes der Jugend“ ein Jugendgottesdienst statt, an dem Schule, Vereine, SA (ca. 80 Mann von auswärts) und HJ geschlossen teilnahmen. Die Jugend sagte Bibelworte auf. Der Predigt lag Johannes 3,30 zugrunde. Anschließend ging es trotz des schlechten Wetters auf dem Stein, wo ein Sonnenwendfeuer abgebrannt wurde. Dazu hielten die Lehrer und der Sturmführer der SA Ansprachen.

Am 29.03.1936 fand ein Aufmarsch vor der Gastwirtschaft Grau (heute Dresen) statt, der durch das Dorf hinauf zum „hohen Rain“ führte.Auf der Rückseite des Fotos stand: „Antreten zur Abstimmung: „Ja oder Nein“, aber 1936 gab es nichts mehr zum Abstimmen.“ Die erste Reihe wird wohl eher vom Kriegerverein und nicht von der Freiwilligen Feuerwehr gebildet. Die Freiwillige Feuerwehr ist schwer auszumachen. In der zweiten Reihe stehen die Veteranen des Ersten Weltkrieges. Dahinter stehen in zwei Reihen die
Männer der SA. Rechts steht der Posaunenchor sowie der damalige Ortspolizist Karl Daniel Geil (13.10.1883 –31.08.1954) aus Bäckasch.

Es geht weiter durchs Dorf. Die Fahnenträger befinden sich auf Höhe von Schmidts-Scheune. Ganz hinten ist die Freiwillige Feuerwehr in ihren dunklen Uniformen zu sehen.

Hier sieht man sie besser. Sie bilden anscheinend mit den Simmersbacher Bürgern den hinteren Teil des Zuges.

 

Das Mittelfeld des Zuges scheint aus dem Kriegerverein und den Veteranen dahinter zu bestehen. Hier befinden sie sich noch im unteren Teil des Dreckweges.

Fast geschafft. Man sieht den vorderen Teil des Zuges. Die heutige Hornbergstraße war damals noch nicht fertig bebaut. Man sieht als letztes Haus „Trenkasch“. Im Hintergrund sind der „Beehl“ und der „Fackenhain“ gut zu erkennen. Auch sieht man im Hintergrund die Schule.

 

Die Simmersbacher Jugend im Dritten Reich

Wie zu Beginn des Abschnittes über das Dritte Reich erwähnt, war die Gewinnung und Indoktrinierung der Jugend essentiell für das Regime. Die Simmersbacher Jugend war wie in den anderen Dörfern in der Hitlerjugend und deren Untergruppierungen. Jungen und Mädchen waren getrennt organisiert. Generell gab es eine Mitgliedspflicht für die Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Gegliedert waren die einzelnen Gruppen nach Gebieten und Gauen usw. Die HJ Simmersbach gehörte zum Gebiet 13, 88 Wetzlar, Hessen-Nassau/West. Sitz war in der Herbert-Norkusstraße 59 in Wiesbaden.
Anfangs (bis etwa 1935) hatte die HJ noch freiwilligen Charakter, was zunehmend aber wegfiel. Ab März 1939 gab es eine Dienstpflicht an zwei Tagen in der Woche. Dadurch stieg die Mitgliedszahl bis 1939 auf ca. 9 Millionen an. Es wurden auch Sondereinheiten angeboten, die auf gewisse Begabungen oder Interessen ausgerichtet waren. So gab es z. B. Sondereinheiten in den Bereichen Marine, Gebirgsjäger, Reiter, Flieger usw.. Die Dorfjugend konnte dem nicht entgehen. Für die Jungs war es natürlich auch Abenteuer – so lange der Ernst des Krieges nicht im
Vordergrund stand.

Wenn man sich heute mit unserem Wissen über diese Zeit diese Bilder anschaut, wird einem doch etwas mulmig. Vor allem dann, wenn man die Namen liest, die später auf den Gefallenenlisten wiederauftauchen.

Im Jahr 1936 wurden zwei Gruppenbilder auf dem Beehl (Biel) gemacht. Da sieht das schon etwas anders aus.

 

Bei den Mädchen ging es nicht um militärische Früherziehung, obwohl auch sie uniformähnliche Kleidung trugen.
Vermutlich um 1934 entstand das untenstehende Bild. Es zeigt Mädchen des BDM bei einem Theaterstück über einen Kochkurs. Links sitzt Pauline Klein (Weidehaus). Ebenfalls auf dem Bild ist die damalige Lehrerin Fräulein Müller aus Frankfurt/Main. Am Tisch stehend dürfte Berta Beck (Luwiggs?) sein.
Mit Kopftuch Hedwig Geil (Bäckasch) und sitzend Pauline Geil (Bäckasch), Marie Reh (Hobs), Frieda und Marie Geil (Kalenz) sowie Emmi Wagner (Neumanns).

Ende der 30er Jahre könnte das obige Bild entstanden sein. Vermutlich im Rahmen eines Ausflugs. Zu sehen sind von links nach rechts in der ersten Reihe Erna Geil (Grittsches), Hedwig Wagner (Kalenz), Hedwig Sänger (Schefasch), Rosa Geil (Zrusemanns), Marie Rein (Adams). In der zweiten Reihe befinden sich Else Reh (Meuasch) und Erna Theiß (Hirte). Zwei Personen sind nicht klar oder gar nicht identifizierbar. Im Vordergrund stehend dürfte die Lehrerin Fräulein Müller (oder Möller) aus Frankfurt/Main sein.
Wir möchten betonen, dass die abgebildeten Personen keineswegs bewertet werden. Sie lebten nun mal in dieser Zeit und waren verpflichtend in den NS-Jugendorganisationen. Es ist daher nicht ratsam auf die politische Gesinnung der einzelnen Jungen und Mädchen zu schließen.
Insbesondere die Jungen zahlten einen hohen Preis. Einige der Namen von den Gruppenbildern werden uns im folgenden Abschnitt wieder begegnen. Sie kehrten niemals mehr in ihre Heimat zurück. Stattdessen wurden ihre sterblichen Überreste in fremder Erde bestattet.

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