50 Jahre Lotto-Kneipe in Simmersbach

Herbert Reh und sein Lotto-Leben

Der 88-Jährige feiert das 50-jährige Bestehen seiner Annahmestelle. Die ist in seiner Kneipe in Simmersbach untergebracht. Mindestens einem Spieler hat Reh das große Glück gebracht.

Bedient in Simmersbach auch mit 88 Jahren mit viel Herzblut seine Kunden hinter dem Tresen: „Lotto-Wirt“ Herbert Reh. Foto: Lotto Hessen

Mobile Lottomaschine immer im Gepäck

Rechts wird getippt, am Tresen links davon ausgeschenkt: Beides übernimmt Verkaufsstellen-Leiter Herbert Reh immer noch höchstpersönlich – in einem Alter, in dem andere längst in Rente sind. Ans Aufhören hat er nie gedacht, „die Gaststätte und Lotto, das sind eben meine Hobbys, und die machen mir immer noch viel Spaß“, erzählt er und schaut zu seiner Frau, die neben ihm sitzt. „Ohne Luise hätte ich aber nicht so lange durchgehalten. Sie hat immer geholfen, die Theke auch mal allein geschmissen, wenn es hier drin brechend voll war“, erzählt er.

Seit den frühen 1980er Jahren gibt es die Gaststätte im Eschenburger Ortsteil, ein Anbau an das Wohnhaus der Hobsterasch im Girnbachtal. Ihre Lottoscheine können die Menschen aus Simmersbach und Umgebung hier sogar schon länger abgeben. Im Frühherbst 1971 eröffnete Reh den Lottoladen, nachdem der damalige Bürgermeister Heinrich Gail persönlich auf ihn zugekommen war.

Ein halbes Jahrhundert Lottogeschichte in Hessen: Luise und Herbert Reh freuen sich über die Urkunde, die sie dafür erhalten haben. Für die gibt es nun einen Ehrenplatz. (Foto: Lotto Hessen)


„Ab diesem Zeitpunkt habe ich parallel mehrere Lotto-Verkaufsstellen in umliegenden Ortschaften betreut, sieben bis acht Stück“, erinnert er sich. „Freitags nach Feierabend bin ich die alle abgefahren, im Gepäck immer die mobile Lottomaschine, mit der ich die Scheine an Ort und Stelle tippen konnte.“

Inzwischen sind 50 Jahre vergangen, und auch heute noch vertrauen die Tipper in der Region auf ihren „Lotto-Wirt“: An fünf Tagen die Woche hat er für sie in seiner Gaststätte geöffnet – von Dienstag bis Samstag, oft bis Mitternacht. Viele halten ihm seit Jahren die Treue, wissen den Service zu schätzen.

Wer will, kann seinen Schein sogar gleich bei ihm deponieren. „Das sind mittlerweile an die 50 Scheine, die ich regelmäßig für die Kunden tippe, auch wenn sie zum Beispiel im Urlaub sind. Danach müssen nur noch der Einsatz bezahlt und natürlich die Gewinne abgeholt werden“, sagt Reh.

Vom Junggesellen, der vier Millionen Euro gewann

Mindestens einem brachte er ganz großes Glück. „Ein Junggeselle, er hatte noch kein Auto und keinen Führerschein, der wollte aufhören mit Lottospielen. Eine Woche später hat er die sechs Richtigen getroffen, fast vier Millionen Euro.“ Viele „Fünfer“ mit Superzahl sind im Laufe der Zeit ebenfalls dabei gewesen, außerdem mehrere Autos und Fahrräder, gewonnen bei Sonderauslosungen.

Wer Herbert Reh nicht in seiner Lotto-Verkaufsstelle antrifft, der wird auf dem Sportplatz fündig. Sonntags hält er dort der Spielgemeinschaft Roth/Simmersbach (SG RoSi) die Daumen. Als junger Erwachsener stand er selbst auf dem Rasen, bis er im Alter von 26 Jahren bei einem Motorradunfall ein Bein verlor. Seine Begeisterung für den Sport hat er sich aber nicht nehmen lassen, ist heute Ehrenmitglied in „seinem“ Verein, dem SSV „Grün-Weiß“ Simmersbach, den Reh 1965 mitgegründet hat.

Dass sie mit ihm wunderbar über Fußball philosophieren können, kommt bei seinen Kunden gut an. „Fußball geht immer. Da kann man sich in einem Moment streiten, im nächsten schon wieder ganz laut lachen“, findet der 88-Jährige. Vor allem das Gesellige liebt er an seinem Job – ob Skatgruppe mittwochs, Würfelclub freitags oder Stammtisch am Samstag. „Bei uns ist immer was los. Und das hält mich ja auch fit“, sagt Reh.

Von red/np

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